Was die japanische Philosophie dazu sagt
Die japanische Philosophie des Kanso setzt auf Einfachheit und darauf, Überflüssiges wegzulassen, um Harmonie und Wohlbefinden zu schaffen. Es geht darum, nur Dinge zu behalten, die das Wohlbefinden fördern, und Ablenkungen zu vermeiden. Marie Kondo steht dafür als bekanntes Beispiel: ihr Prinzip des Reduzierens und Ordnen passt genau in diese Denkweise. Dieser Sinn für Ordnung hat alte Wurzeln im Shintō und Buddhismus, die die Mentalität in Japan seit Jahrhunderten prägen. Saubere Lebensweisen finden erst seit einiger Zeit stärker Einzug in westliche Denkweisen.
Der Genkan: mehr als nur ein Eingangsbereich
Der Genkan ist ein architektonisches Element, das Innen- und Außenbereich trennt (Eingangsbereich). Dort werden die Schuhe ausgezogen, um den Innenraum sauber zu halten. Auffällig ist: Der Boden des Genkan ist oft 0,5 cm niedriger als der übrige Wohnbereich, um die Trennung zu markieren. War der Genkan früher meist leer, findet man heute oft Schuhschränke und Garderobenhaken, die das Schuhewechseln erleichtern. Barfuß ein fremdes Haus zu betreten gilt hier sowohl als Zeichen des Respekts als auch der Hygiene.
So lässt sich das im Westen umsetzen
Westliche Haushalte haben meist keinen Genkan. Die Influencerin Alicia Martínez (bekannt als @aly_deco_home) hat dafür praktische Lösungen vorgestellt: Körbe neben der Tür für Hausschuhe und Schränke für Jacken und Außenkleidung, damit im Alltag Ordnung bleibt. Sie sagt: “Das Aufhängen der Jacke direkt nach dem Nachhausekommen ist eine kleine aber kraftvolle Gewohnheit, die zur täglichen Ordnung beiträgt.” Ihre Routine hilft nicht nur beim Organisieren, sie spart auch Zeit.
Hygiene und Mikroben: was Studien zeigen
Mikrobiologen empfehlen dringend, Schuhe vor dem Betreten der Wohnung auszuziehen. Kleidung und besonders Schuhe, die draußen getragen wurden, können Kreuzkontamination verursachen. Eine Studie von 2023, veröffentlicht in der Zeitschrift Environmental Research von Forschern der Macquarie University of Sydney, zeigte, dass 60 % der Partikel im Innenbereich von außen stammen und toxische Metalle wie Blei und Zink enthalten können. Schuhe auszuziehen reduziert das Hereintragen von Staub, Schmutz und möglichen Krankheitserregern deutlich. Außerdem kann Barfußgehen im Haus zu Fußwarzen und Pilzinfektionen führen, weshalb empfohlen wird, drinnen Socken oder leichte Hausschuhe zu tragen.
Typische Praktiken in japanischen Haushalten
In japanischen Häusern tragen Bewohner oft Socken oder leichte Hausschuhe. Auf dem Tatami (Reisstrohmatten) ohne Schuhe zu laufen ist allgemein bekannt; Socken gelten dort als okay. Das Ausziehen der Schuhe ist tief in der Kultur verankert und geht über reinen Komfort hinaus — es ist eine wichtige hygienische und soziale Praxis.
Das Schuhe-Ausziehen ist also keine bloße Marotte: Es steht für einen bewussten Lebensstil, der Sauberkeit, Ordnung und Respekt verbindet. Angesichts der Vorteile für Organisation und Gesundheit ist die Praxis auch außerhalb Japans sehenswert. Wer will, kann die Tradition mit modernen Anpassungen übernehmen und so ein harmonischeres und gesünderes Zuhause schaffen. Leserinnen und Leser könnten das als Anstoß nehmen, ihr eigenes Zuhause neu zu betrachten und von diesen Gewohnheiten zu profitieren.