Was das Projekt erreichen will
Der Einsatz humanoider Roboter an einem der meistfrequentierten Grenzübergänge Chinas hat eine klare Absicht: Prüfen, wie sich diese Maschinen unter anspruchsvollen Bedingungen schlagen. Das Projekt wird von UBTECH Robotics Corp. aus Shenzhen geleitet und startete Mitte 2023 mit einem Vertragswert von 34,04 Millionen Euro. Kernaufgabe ist es, die mögliche Hilfe durch humanoide Roboter in straff getakteten Abläufen und bei Dauerbetrieb zu testen. Gelingt das Experiment, könnten bald Flughäfen, Seehäfen und stark frequentierte Bahnhöfe zu den nächsten Nutzern gehören.
Was die Roboter tun
Der eingesetzte Roboter, Walker S2, repräsentiert den aktuellen Stand der humanoiden Robotik. Er kann sich autonom fortbewegen und seine Batterie ohne menschliches Zutun wechseln. Mit Kameras, Tiefensensoren und einem Kraftfeedbacksystem ausgestattet, navigiert er durch komplexe Umgebungen und vermeidet Kollisionen mit Menschen. Am Grenzposten in Fangchenggang übernimmt er Aufgaben von der Verwaltung von Passagierschlangen bis zur Unterstützung bei der Überprüfung von Container-IDs und der Bestätigung von Siegeln.
Die Roboter patrouillieren Flure und Wartebereiche, überwachen blockierte Ausgänge und erkennen Menschenansammlungen, die menschliches Eingreifen nötig machen. Außerdem unterstützen sie Logistikteams und senden Status-Updates an Dispositionszentren. Die Vielseitigkeit der Walker S2 macht sie auch in industriellen Umgebungen nützlich, zum Beispiel in Stahl-, Kupfer- und Aluminiumfabriken.
Hinter den Kulissen: Training und Daten
Zur Vorbereitung der Einsätze hat UBTECH Robotics Corp. im Shijingshan District in Peking ein großes Trainingszentrum eröffnet. Die Anlage umfasst rund 3.000 m² und setzt mehr als 100 humanoide Maschinen ein. Dort werden die Roboter mit Alltagsaufgaben betraut — vom Montieren von Bauteilen über das Reinigen von Bädern bis zur Pflege von Pflanzen. Solche Trainingsstationen liefern Entwicklern wichtige Daten und sorgen dafür, dass künftige humanoide Roboter bereits getestete Fähigkeiten mitbringen.
Standards und staatliche Vorgaben
Im 2023 legte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) Chinas eine Richtlinie vor, die bis 2025 den Aufbau eines nationalen Innovationssystems für humanoide Roboter fordert. 2024 begann eine Konsultation zur Einrichtung eines Standardisierungs-Fachausschusses, der branchenspezifische Regeln ausarbeiten soll. Die Erprobung in Fangchenggang passt in diesen Rahmen, weil sie Fragen zu Sicherheit, Zuverlässigkeit und Verantwortlichkeit gezielt angeht.
Aktuelle Forschung betont die Bedeutung von Wahrnehmungssystemen — sie sind nötig, wenn Maschinen und Menschen denselben Raum teilen. Die Fähigkeit, Kollisionen zu vermeiden und in Echtzeit auf unerwartete menschliche Bewegungen zu reagieren, ist dabei zentral für den praktischen Einsatz.
Der Einsatz humanoider Roboter bringt klare Vorteile, aber auch neue Fragen mit sich. Manche Reisende begrüßen die technische Unterstützung, andere bleiben skeptisch. Effizienzgewinne für Grenzbeamte könnten mehr Zeit für Identitätsprüfungen und Risikoabschätzungen schaffen. Gleichzeitig sind praktische Fragen zu Ausbildung und Verantwortlichkeiten offen, falls Roboter Fehler machen.
Die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Fangchenggang wird nicht nur an den technischen Fähigkeiten der Roboter gemessen, sondern daran, ob sie langfristig Kosten einsparen. Chinas Wirtschaftsplaner warnen davor, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Klappen die Tests jedoch, könnte das den Weg für ähnliche Einsätze an anderen Grenzübergängen oder in kritischer Infrastruktur weltweit ebnen. Eine Zukunft, in der Menschen und Maschinen gut zusammenarbeiten, könnte damit bald Realität werden.