Langfristig: Was flexibles Arbeiten bewirkt
Die Forscher stützen ihre Aussagen auf die Längsschnittstudie über einen Zeitraum von vier Jahren, die vor der Pandemie begann. Statt sich nur am Hype zu orientieren, wurden reale Alltagsroutinen, Gewohnheiten und Gesundheitsverläufe der Teilnehmenden erfasst. Die zentrale Beobachtung: die Möglichkeit, selbst zu wählen, ob man zu Hause arbeitet, steht mit besserer Stimmung und stabilerer körperlicher Verfassung in Verbindung. Erzwungene Arbeitsarrangements zeigten dagegen tendenziell negative Entwicklungen.
Die Effekte hielten sich über längere Zeit und waren nicht nur kurzfristige Stimmungsschwankungen. “Wenn Menschen ihren Zeitplan steuern, folgt die Gesundheit,” lautet eine Kernaussage der Studie und unterstreicht, dass die gewonnenen Freiheiten nachhaltig wirken.
Zahlen zum Wohlbefinden
Die Studie nennt konkrete Zahlen: Remote-Arbeitende erhielten etwa 30 Minuten mehr Schlaf pro Nacht, was der körperlichen Regeneration zugutekommt. Die durchschnittliche Pendelzeit in Australien betrug vorher etwa 4,5 Stunden pro Woche, wodurch rund ein Drittel dieser Zeit für Freizeit und Bewegung umverteilt werden konnte. Ähnliche Untersuchungen, etwa in Spanien, zeigten, dass Beschäftigte durch flexible Arbeitsmodelle 10 zusätzliche freie Tage pro Jahr gewinnen konnten.
Neben mehr Schlaf sank das Stressniveau durch den Wegfall des Pendelns. In den frühen Lockdown-Monaten kam es zwar zunächst zu einem leichten Anstieg des Alkoholkonsums, dieser nahm mit der Etablierung neuer Routinen jedoch wieder ab. Die Teilnehmenden berichteten außerdem von veränderten Essgewohnheiten: weniger spontane Snacks, dafür häufiger selbst gekochte Mahlzeiten mit Obst, Gemüse und Milchprodukten.
Wie der Alltag selbstbestimmter wird
Das Morgenritual verändert sich – viele beschrieben ein Weckgefühl ohne den “Alarmbiss” (die panische Hetze, noch rechtzeitig loszukommen). Der Arbeitstag lässt sich eher gestalten statt auferlegen, was kurze Mittagspausenspaziergänge ermöglicht. Diese freie Zeit nutzten Teilnehmende auch, um Abende und Wochenenden besser zu strukturieren: Wäsche zwischen Anrufen erledigen oder die Schulwege der Kinder leichter einbauen ließ den Alltag runder wirken.
Viele investierten die gewonnene Zeit in Hobbys, Sport und Freizeitaktivitäten. Alte Interessen wurden wieder aufgegriffen, lokale Wandergruppen entstanden, und Freizeitbeschäftigungen wie Gitarre spielen wurden beliebter.
Was das für Kultur und Führung heißt
Die Produktivität blieb in den meisten Teams stabil oder verbesserte sich sogar. Auffällig war der Unterschied zwischen gewählten und erzwungenen Arbeitstagen: gewählte Homeoffice-Tage gingen mit besseren Ergebnissen einher. Vereinsamung in den ersten Lockdown-Phasen war anfangs ein Thema, das durch klare Kommunikation, passende Tools und persönliche Check-ins angegangen wurde.
Führungskräfte, die Vertrauen zeigen und störende Faktoren beseitigen, fördern eine Kultur des Wachstums. Für Finanzverantwortliche zeigen sich Vorteile in Form von loyalen und leistungsfähigen Mitarbeitenden. Ein kundenorientierter Ansatz bei der Ergebnismessung wurde empfohlen, und hybride Arbeitsmodelle wurden als wichtig angesehen, um die Verbindung zwischen Belegschaft und Unternehmen zu erhalten.
Diese Untersuchung macht deutlich, wie sehr die Freiheit, den eigenen Zeitplan zu gestalten, das Leben der Menschen positiv verändern kann. Sie liefert starke Argumente dafür, Wahlmöglichkeiten in moderne Arbeitsplatzgestaltung zu integrieren — nicht nur in Bezug darauf, wie und wo gearbeitet wird, sondern auch mit Blick auf einen Lebensstil, der Gesundheit und Wohlbefinden fördert.