Ein lange versteckter Schatz
Auslöser für die Restaurierung war ein Fehler aus den 1970er Jahren: Damals wurde eine beheizte Betondecke eingebaut, die der Bausubstanz erheblich schadete. Die Decke erwärmte salzhaltigen Boden und brachte das Fundament zum Reißen. Bei den Grabungen, die nötig waren, um das Problem zu beheben, stieß das archäologische Team unter der Leitung von Clarisse Couderc und Carole Fossurier auf Erstaunliches.
So entdeckten die Forscher eine vergessene Treppe, die in ein verborgenes Begräbnisgewölbe im Querschiff (Querhaus) der Kirche führte. Dieses Gewölbe wird auf rund 400 Jahre datiert. Dort fanden sich Särge von Kindern und Erwachsenen, jeweils mit schlichten Leichentüchern bedeckt und mit Rosenkränzen sowie antiken Münzen als Grabbeigaben versehen. Solche Funde geben wertvolle Einblicke in die damals üblichen Bestattungssitten.
Die archäologischen Funde im Detail
Neben der 12. Jahrhundert errichteten Kirche, die auf älteren Bauten steht, kamen Särge aus der Spätantike und der merowingischen Zeit ans Licht. Insgesamt wurden sechs gut erhaltene Sarkophage entdeckt, einer davon sticht durch einen kunstvoll gestalteten Deckel hervor. Außerdem wurden Plattengräber aus dem 11. bis 13. Jahrhundert gefunden, was auf eine lange Nutzung des Ortes als wichtiges Begräbniszentrum hindeutet.
Tiefer liegende Mauerreste wurden auf das 10. Jahrhundert datiert und in der damals typischen Fischgrätmauerwerkstechnik errichtet. Bereits bei früheren Ausgrabungen im Jahr 1923 war festgestellt worden, dass die heutige Kirche auf den Fundamenten eines älteren Bauwerks steht, was die Schichtung der Geschichte an diesem Ort bestätigt.
Was die Experten sagen
Das Französische Nationalinstitut für präventive Archäologische Forschung (Inrap), das die Untersuchungen unterstützt und die Berichte übersetzte, hebt die besondere Bedeutung der Kirche Saint-Philibert hervor. Archäologen vermuten, dass die Funde auf die Rolle der Kirche als zentrales Begräbniszentrum hinweisen, besonders während des Übergangs von der römischen Epoche zum Frühmittelalter. Die Annahme, dass einige Sarkophage ursprünglich innerhalb eines anderen antiken Gebäudes bestattet wurden, weckt weiteren Forschungsbedarf und unterstreicht den reichen historischen Hintergrund der Gegend.
Wie es weitergeht
Die Entdeckungen an der Kirche Saint-Philibert in Dijon öffnen ein Fenster in die Vergangenheit und laden zu weiteren Forschungen und Diskussionen ein. Die Restaurierungen haben nicht nur bauliche Schäden behoben, sondern auch historische Geheimnisse offenbart, die unser Wissen über die menschliche Vergangenheit erweitern. Es bleibt spannend, welche weiteren Geheimnisse noch ans Licht kommen und welche neuen Erkenntnisse über die mittelalterliche und antike Geschichte Europas gewonnen werden können.